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Die Methode: Intervision
Grundsätzlich ist die Intervision gedacht, als ständige Einrichtung einer Gruppe, eines Teams etc.
zur kontinuierlichen Besprechung und Beratung der täglichen Arbeit. Die Intervision kann, nach einer entsprechenden Qualifizierung,
von der jeweiligen Gruppe selbständig (selbstgesteuerte Gruppe) durchgeführt werden oder unter Anleitung stattfinden (begleitete Intervision). Die Grundlagen und
der Ablauf einer Intervision sind in beiden Formen identisch und werden deshalb im folgenden dargestellt. Auf
die begeitete Intervision wird am Ende kurz eingegangen.
Grundlage der Intervision sind aktuelle Problemstellungen in der konkreten Arbeit. Beispiele dafür sind:
Bewältigung neuer Aufgaben;
Anleitung und Integration neuer Mitarbeiter;
Probleme mit Mitarbeitern;
Teamprobleme;
Qualitätsprobleme;
Veränderungsprozesse bewältigen;
Reflektion der eigenen Arbeitsweise;
Optimierung der Team-/Gruppenarbeit;
Probleme in der Erziehungsarbeit;
Ausbau der Kundenorientierung;
Probleme mit dem eigenen Klientel;
Probleme zwischen Kollegen.
Ablauf einer Intervison
Jede Intervision durchläuft bestimmte Phasen, die dem Gespräch Struktur geben und es zielorientiert gestalten.
Die Phasen der Intervision sind:
Phase 1: Bestandsaufnahme Der Moderator bittet zunächst alle Teilnehmer, ein berufliches Problem vorzubringen.
Jeder Teilnehmer stellt in kurzen Worten sein Problem dar.
Phase 2: Auswahl Die Teilnehmer entscheiden sich für ein Problem. Welches der vorgebrachten Probleme von der
Gruppe ausgewählt wird entscheidet sich durch dessen Dringlichkeit oder Wichtigkeit, die von den Teilnehmern i.d.R.
bereits durch den Vortrag des Problems erkannt wird. Es kann auch vereinbart werden, dass das Treffen zu einem bestimmten
Problem einberufen wird, dann entfällt die Bestandsaufnahme und die Auswahl.
Phase 3: Analyse Wie die Gruppe das Problem angeht, hängt wesentlich von der Erfahrung der einzelnen Teilnehmer ab.
Es kann einfach in Form eines Gesprächs (das der Moderator leitet) erfolgen oder es können spezifische Methoden
eingesetzt werden, um das Thema hinreichend zu analysieren. Denn in dieser Phase soll noch keine Interpretation vorgenommen
werden.
Phase 4: Verallgemeinerung Individuelle Probleme können u. U. genauer erfasst werden, wenn sie eine Verallgemeinerung erfahren. Dies
geschieht i.d.R. dadurch, dass sich einzelne Gruppenmitglieder ebenfalls davon betroffen fühlen. Dadurch werden die Beratungsressourcen wesetnlich verstärkt
und das Engagement der Gruppe, eine Lösung zu finden, wächst. Diese Phase ieher fakultativ und wird nur durchlaufen, wenn
sich in der Gruppe eine starke Betroffenheit abzeichnet.
Phase 5: Beratung Die Teilnehmer stellen nun ihre Vorschläge und Ideen zur Problembewältigung vor. Die Lösungsvorschläge
werden nicht inhaltlich diskutiert, sondern lediglich über Verständnisfragen für alle "erhellt".
Phase 6: Evaluation In dieser Phase wird überprüft, was derjenige, der das Problem eingebracht hat (Intervisant)
von den Lösungsvorschlägen übernehmen kann oder will bzw. welche Vorschläge ihm wichtig und bedenkenswert erscheinen.Der Intervisant gibt der Gruppe ein Feedback. In dieser Pahse wird auch die weitere Arbeit (Termine,
Rollenverteilung etc.) besprochen.
Die Teilnehmer einer Intervisionsrunde wechseln sich bei jeder Sitzung in verschiedenen Rollen ab. So können sie einerseits
eigene Praxisfälle einbringen und gleichzeitig ihre Beratungskompetenz stärken.
Typische Rollen in der Intervision sind:
Der Fallgeber bringt ein Thema, einen Fall, ein Problem ein. Dabei gibt er alle ihm wichtig erscheinenden
Fakten und Informationen und formuliert eine Schlüsselfrage. Der Fallgeber kann dadurch ermittelt werden, dass verschiedene
Probleme in die Gruppe eingebracht wurden und die Gruppe sich für ein Problem entscheidet. Oder dadurch, dass er selbst um
die Besprechung seines Problems gebeten hat. Die Rolle des Fallgebers wechselt also ständig.
Der Moderator leitet die "kollegiale Beratung" und führt die Gruppe durch die verschiedenen Phasen der
Intervision. Die Rolle des Moderators wird von Treffen zu Treffen von einem anderen Teilnehmer übernommen.
Die Berater werden von den übrigen Teilnehmern dargestellt. Sie hören dem Fallgeber "aktiv" zu, stellen
Verständnisfragen zu dem Problem und machen in der Beratungsphase Vorschläge bzw. geben Empfehlungen für die
Problemlösung.
Wenn die Intervision in Unternehmen oder Organisationen institutionalisiert werden soll, ist es sinnvoll einen regelmäßigen
Turnus festzulegen, in dem sich die jeweilige Intervisionsgruppe trifft. Zumindest am Anfang ist es nicht ratsam,
die Intervision "bei Bedarf" einzurichten. Zu schnell wird im Arbeitsalltag die Routine der Besprechung
einer echten "kollegialen Beratung" vorgezogen, da man diese Tür-und-Angel-Gespräche kennt und (zum Teil) schätzt,
obwohl sie "nur" kollegiale Ratschläge bringen.
Es ist oft gewöhnungsbedürftig, die eigenen Probleme, oder die der anderen Kollegen so ernst zu nehmen, dass dafür
Zeitressourcen zur Verfügung gestellt werden.
Der Unterschied zwischen einer "kollegialen Beratung" und "kollegialen Ratschlägen" liegt in der qualitativen
Dimension der "kollegialen Beratung" (Intervision), die darin besteht, dass:
Zeitressourcen bereitgestellt werden;
(Wer Zeit "opfert" oder "investiert" nutzt diese Zeitspanne bewußter und intensiver.)
unterschiedliche Rollen wahrgenommen werden müssen;
(Die bewußte Rollenübernahme schärft die Wahrnehmung und steigert die Konzentration auf den Fall.)
jeder Teilnehmer das Privileg hat, dass sich mehrere Menschen "seinem" Problem annehmen;
(Das erhöht die Verantwortung, das Problem präzise zu beschreiben und auch den eigenen Anteil daran zu erkennen.)
die Empfehlungen und die Lösungsvorschläge in einem Kreis von fachkompetenten Kollegen gegeben werden;
(Dadurch ist ein Grad an "Öffentlichkeit" geschaffen, der die Teilnehmer zu präzisen und umsetzbaren Vorschlägen
zwingt.)
mit jeder Sitzung die individuelle Beratungskompetenz wächst.
(Durch die Übernahme der unterschiedlichen Rollen (Fallgeber, Moderator, Berater) lernen die Teilnehmer unterschiedliche
Blickwinkel einzunehmen und können so Probleme bessser erfassen und Lösungen erarbeiten.)
Die "begleitete Intervision" ist dadurch gekennzeichnet, dass ein professioneller Begleiter (Coach, Mediator, Berater)
die Intervision anleitet. Damit wird die Einführung der Intervision in Unternehmen und Organisationen erheblich erleichtert,
da die Verbindlichkeit für die Durchführung und die Teilnahme wesentlich größer ist. So wird die Implementierung zügiger voran getrieben
und gleichzeitig wird die Beratungskompetenz der Teilnehmer qualitativ verbessert. Die begleitete Intervision kann
nach einer bestimmten Zeit in die Selbstregulierung der Intervisionsgruppe übergeleitet werden.
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