Verordnung
über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung – ZMediatAusbV)


Vom 21. August 2016
Auf Grund des § 6 des Mediationsgesetzes, der durch Artikel 135 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist, verordnet das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucher- schutz:

§1
Anwendungsbereich
Diese Verordnung regelt
1. die Ausbildung zum zertifizierten Mediator,
2. die Fortbildung des zertifizierten Mediators sowie
3. Anforderungen an die Einrichtungen zur Aus- und Fortbildung nach den Nummern 1 und 2.

§2
Ausbildung zum zertifizierten Mediator
(1) Als zertifizierter Mediator darf sich nur bezeich- nen, wer eine Ausbildung zum zertifizierten Mediator abgeschlossen hat.
(2) Die Ausbildung zum zertifizierten Mediator setzt sich zusammen aus einem Ausbildungslehrgang und einer Einzelsupervision im Anschluss an eine als Media- tor oder Co-Mediator durchgeführte Mediation.
(3) Der Ausbildungslehrgang muss die in der Anlage aufgeführten Inhalte vermitteln und auch praktische Übungen und Rollenspiele umfassen.
(4) Der Umfang des Ausbildungslehrgangs beträgt insgesamt mindestens 120 Präsenzzeitstunden. Die je- weiligen Inhalte des Ausbildungslehrgangs müssen mindestens die in Spalte III der Anlage aufgeführten Zeitstunden umfassen.
(5) Während des Ausbildungslehrgangs oder inner- halb eines Jahres nach dessen erfolgreicher Beendigung müssen die Ausbildungsteilnehmenden an einer Einzel- supervision im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation teilgenommen haben.
(6) Über den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung ist von der Ausbildungseinrichtung eine Bescheinigung
auszustellen. Die Bescheinigung darf erst ausgestellt werden, wenn der gesamte nach den Absätzen 3 und 4 vorgeschriebene Ausbildungslehrgang erfolgreich been- det und die Einzelsupervision nach Absatz 5 durchge- führt ist. Die Bescheinigung muss enthalten:
1. Name, Vornamen und Geburtsdatum der Absolven- tin oder des Absolventen,
2. Name und Anschrift der Ausbildungseinrichtung,
3. Datum und Ort der Ausbildung,
4. gemäß Anlage vermittelte Inhalte des Ausbildungs- lehrgangs und die jeweils darauf verwendeten Zeit- stunden,
5. Datum und Ort der durchgeführten Einzelsupervision sowie
6. Name und Anschrift des Supervisors.

§3
Fortbildungsveranstaltung
(1) Der zertifizierte Mediator hat nach Abschluss der
Ausbildung regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. Der Umfang der Fortbildungsveranstal- tungen beträgt innerhalb eines Zeitraums von vier Jah- ren mindestens 40 Zeitstunden. Die Vierjahresfrist be- ginnt erstmals mit Ausstellung der Bescheinigung nach § 2 Absatz 6 zu laufen.
(2) Ziel der Fortbildungsveranstaltungen ist
1. eine Vertiefung und Aktualisierung einzelner in der Anlage aufgeführter Inhalte oder
2. eine Vertiefung von Kenntnissen und Fähigkeiten in besonderen Bereichen der Mediation.
(3) Über die erfolgreiche Teilnahme an einer Fortbil- dungsveranstaltung ist von der Fortbildungseinrichtung eine Bescheinigung auszustellen. Die Bescheinigung muss enthalten:
1. Name, Vornamen und Geburtsdatum der oder des Teilnehmenden,
2. Name und Anschrift der Fortbildungseinrichtung,
Das Bundesgesetzblatt im Internet: www.bundesgesetzblatt.de | Ein Service des Bundesanzeiger Verlag www.bundesanzeiger-verlag.de
Bundesgesetzblatt Jahrgang 2016 Teil I Nr. 42, ausgegeben zu Bonn am 31. August 2016
1995
3. Datum und Ort der Fortbildungsveranstaltung sowie
4. vermittelte Fortbildungsinhalte und Dauer der Fort- bildungsveranstaltung in Zeitstunden.

§4
Fortbildung durch Einzelsupervision
(1) Innerhalb der zwei auf den Abschluss seiner Aus-
bildung nach § 2 folgenden Jahre hat der zertifizierte Mediator mindestens viermal an einer Einzelsuper- vision, jeweils im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation, teilzunehmen. Die Zweijahresfrist beginnt mit Ausstellung der Be- scheinigung nach § 2 Absatz 6 zu laufen.
(2) Über jede nach Absatz 1 durchgeführte Einzel- supervision ist von dem Supervisor eine Bescheinigung auszustellen. Diese Bescheinigung muss enthalten:
1. Name, Vornamen und Geburtsdatum des zertifizier- ten Mediators,
2. Datum und Ort der durchgeführten Einzelsuper- vision,
3. anonymisierte Angaben zur in der Einzelsupervision besprochenen Mediation sowie
4. Name und Anschrift des Supervisors.

§5
Anforderungen an
Aus- und Fortbildungseinrichtungen
(1) Eine Ausbildung nach § 2 oder eine Fortbildung
nach § 3 darf nur durchführen, wer sicherstellt, dass die dafür eingesetzten Lehrkräfte
1. über einen berufsqualifizierenden Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Hochschulstudiums verfügen und
2. über die jeweils erforderlichen fachlichen Kenntnisse verfügen, um die in der Anlage aufgeführten oder sonstige Inhalte der Aus- oder Fortbildung zu ver- mitteln.
(2) Sofern eine Lehrkraft nur eingesetzt wird, um bestimmte Aus- oder Fortbildungsinhalte zu vermitteln, müssen sich ihre fachlichen Kenntnisse nur darauf beziehen.

§ 6
Gleichwertige im Ausland erworbene Qualifikation
Als zertifizierter Mediator darf sich auch bezeichnen, wer
1. im Ausland eine Ausbildung zum Mediator im Umfang von mindestens 90 Zeitstunden abgeschlossen hat und
2. anschließend als Mediator oder Co-Mediator mindestens vier Mediationen durchgeführt hat.

§7
Übergangsbestimmungen
(1) Als zertifizierter Mediator darf sich bezeichnen, wer vor dem 26. Juli 2012 eine Ausbildung zum Mediator im Umfang von mindestens 90 Zeitstunden abgeschlossen und anschließend als Mediator oder Co-Mediator min- destens vier Mediationen durchgeführt hat.
(2) Als zertifizierter Mediator darf sich auch bezeich- nen, wer vor dem 1. September 2017 einen den An- forderungen des § 2 Absatz 3 und 4 genügenden Ausbildungslehrgang erfolgreich beendet hat und bis zum 1. Oktober 2018 an einer Einzelsupervision im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation teilgenommen hat. Wird die Einzelsupervision erst nach dem 1. September 2017 durchgeführt, ist entsprechend § 4 Absatz 2 eine Be- scheinigung auszustellen.
(3) In den Fällen der Absätze 1 und 2 beginnen die Fristendes§3Absatz1Satz3unddes§4Absatz1 am 1. September 2017 zu laufen. Im Fall des Absatzes 2 Satz 2 beginnen die Fristen abweichend von Satz 1 mit Ausstellen der Bescheinigung zu laufen.

§8
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. September 2017 in Kraft.

Berlin, den 21. August 2016
Der Bundesminister
der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas



1 § 6 dieser Verordnung dient der Umsetzung der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. L 255 vom 30.9.2005, S. 22, L 271 vom 16.10.2007, S. 18, L 93 vom 4.4.2008, S. 28, L 33 vom 3.2.2009, S. 49, L 305 vom 24.10.2014, S. 115), die zuletzt durch die Richtlinie 2013/55/EU (ABl. L 354 vom 28.12.2013, S. 132, L 268 vom 15.10.2015, S. 35, L 95 vom 9.4.2016, S. 20) geändert worden ist, sowie der Richtlinie 2013/55/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. November 2013 zur Änderung der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen und der Verordnung (EU) Nr. 1024/2012 über die Verwaltungszusammenarbeit mit Hilfe des Binnenmarkt-Informationssystems („IMI-Verordnung“) (ABl. L 354 vom 28.12.2013, S. 132, L 268 vom 15.10.2015, S. 35, L 95 vom 9.4.2016, S. 20).
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1996 Bundesgesetzblatt Jahrgang 2016 Teil I Nr. 42, ausgegeben zu Bonn am 31. August 2016

Anlage
Inhalte des Ausbildungslehrgangs






Nummer Inhalt des Ausbildungslehrgangs Stundenzahl (Zeitstunden)
I II III
1.
Einführung und Grundlagen der Mediation
a)  Grundlagen der Mediation
aa) Überblick über Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation bb) Überblick über Kommunikations- und Arbeitstechniken in der Mediation
  • b)  Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und zu anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren
  • c)  Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation
  • 18 Stunden
    2.
    Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation
    • a)  Einzelheiten zu den Phasen der Mediation aa) Mediationsvertrag
      bb) Stoffsammlung
      cc) Interessenerforschung
      dd) Sammlung und Bewertung von Optionen ee) Abschlussvereinbarung
    • b)  Besonderheiten unterschiedlicher Settings in der Mediation
      aa) Einzelgespräche
      bb) Co-/Teammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation cc) Einbeziehung Dritter
    • c)  Weitere Rahmenbedingungen
      aa) Vor- und Nachbereitung von Mediationsverfahren bb) Dokumentation/Protokollführung
    30 Stunden
    3.
    Verhandlungstechniken und -kompetenz
    a) Grundlagen der Verhandlungsanalyse
    b) Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: intuitives Verhandeln, Ver- handlung nach dem Harvard-Konzept/integrative Verhandlungstechniken, distributive Verhandlungstechniken
    12 Stunden
    4.
    Gesprächsführung, Kommunikationstechniken
    • a)  Grundlagen der Kommunikation
    • b)  Kommunikationstechniken (z. B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation)
    • c)  Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (z. B. Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse)
    • d)  Visualisierungs- und Moderationstechniken
    • e)  Umgang mit schwierigen Situationen (z. B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte)
    18 Stunden
    5.
    Konfliktkompetenz
    a) Konflikttheorie (Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik und Konfliktanalyse; Eskalations- stufen; Konflikttypen)
    b) Erkennen von Konfliktdynamiken c) Interventionstechniken
    12 Stunden
    6.
    Recht der Mediation
    a) Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediatorvertrag, Berufsrecht, Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung
    b) Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs c) Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes
    6 Stunden







    Nummer Inhalt des Ausbildungslehrgangs Stundenzahl (Zeitstunden)
    I II III
    7.
    Recht in der Mediation
    a)  Rolle des Rechts in der Mediation
  • b)  Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediator
  • c)  Rolle des Mediators in Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts
  • d)  Sensibilisierung für das Erkennen von rechtlich relevanten Sachverhalten bzw. von Situationen, in denen den Medianden die Inanspruchnahme externer rechtlicher Beratung zu empfehlen ist, um eine informierte Entscheidung zu treffen
  • e)  Mitwirkung externer Berater in der Mediation
  • f)  Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussverein- barung
  • g)  Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit
  • 12 Stunden
    8.
    Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis
    • a)  Rollendefinition, Rollenkonflikte
    • b)  Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators (insbesondere Wertschätzung, Res- pekt und innere Haltung)
    • c)  Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianden und zum Konflikt
    • d)  Macht und Fairness in der Mediation
    • e)  Umgang mit eigenen Gefühlen
    • f)  Selbstreflexion (z. B. Bewusstheit über die eigenen Grenzen aufgrund der beruflichen Prägung und Sozialisation)
    12 Stunden
    Gesamt:
    120 Stunden
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